Besucherrekord

Open Up Wide

Rueclblicke von Choeren-Open-Up-WideGospel ist überall: Warum 700 Kilometer und ein Haufen Schwierigkeiten ins Glück führen fünf Uhr morgens in Berlin. Mit einem dicken Seufzer öffnet der Bus seine Türen. Eva von der Heyde hat wenig geschlafen, aber ab jetzt heißt es: Hellwach sein. Die Leipziger Chorleiterin begrüsst den Fahrer, die ersten schlaftrunkenen Reisegäste von gospelradio.de trudeln ein. Ihr Ziel: Gospelkirchentag Karlsruhe. Mehr als 700 Kilometer entfernt. Drei-Tage-Kurztrip, rund 20 Stunden Fahrt hin und her. Wer kommt denn auf so was?
Sieben Uhr morgens in Leipzig. Vor der Thomaskirche steht ein Häuflein Frauen und Männer, Koffer und Taschen. Blick auf die Uhr: Wo bleibt der Bus? Irgendwann gelingt der Handy-Kontakt zu Eva von der Heyde. Schwierigkeiten in Potsdam, Bus und Sänger warteten an unterschiedlichen Orten – das kann nicht klappen. Leipzig rettet sich mit Coffe-to-go über die Zeit. „Ich war wahnsinnig aufgeregt. Für mich war es das erste Mal, dass ich so eine Busreise organisiert habe. Auf einmal hatte ich für alles die Verantwortung“, sagt Eva von der Heyde. Die Musikerin leitet in Leipzig den Gospelchor der Thomaskirche „Open up Wide“ und engagiert sich bei der Creativen Kirchen Witten für Projekte wie „Gospel für eine gerechtere Welt“.

Der Gospelkirchentag gehört seit Jahren zu den festen Termin im Chorkalender. Düsseldorf war noch eine Schnuppertour, in Hannover stand dann schon der erste Auftritt im Programm, gleich in der großen Marktkirche. „Das war einer unser schönsten Auftritte überhaupt“, schwärmt Chorsängerin Monika Werner noch heute. Der Tag war grau, aber überall in der Stadt sangen Chöre, direkt vor der Kirche machte eine Jazzkappelle ordentlich Stimmung. Und drinnen drängten sich die Menschen, fröhliche Erwartung in den Gesichtern. „Man braucht schon 20 Minuten Programm, mit denen sich der Chor sicher fühlt. Man muss dafür bereit sein“, sagt Eva von der Heyde. Der Ort spielt keine Rolle.
In Karlsruhe singen die Leipziger mitten im Trubel des Einkaufszentrums Ettlinger Tor. Im Handumdrehen ist die Stimmung genauso gut wie beim „Abend der Begegnung“ im Haus der Paul-Gerhardt-Gemeinde. „Der Chor mit den afrikanischen Gospelsängern hat mich sehr bewegt“, beschreibt Thomas sein Bauchgefühl. Für Solistin Heike ist aber der Massenchor das Highlight: „Ich finde es toll, wenn 5000 Leute gemeinsam singen.“ Der Massenchor ist das Herz der Gospelkirchtage. Jeden Morgen trifft man sich nach Stimmen geordnet in einer großen Halle. Auf der Bühne stehen Chorleiter, die mitunter weit mehr als 700 Kilometer angereist sind. Wie Hans-Christian Jochimsen aus Dänemark, ein Star der internationalen Gospelszene. Jochimsen ist ein Entertainer, der schon das Einsingen zu einem Happening macht. Gleichzeitig lässt er keinen Zweifel an dem Ernst und Sinn seiner Botschaft. In Karlsruhe hat Jochimsen eine Schlüsselstellung, den er schuf mit „Let us stand“ die Hymne für die frisch aus der Taufe gehobene Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“. Das erste Etappenziel für Karlsruhe: Genug Geld für einen Brunnen in Burkina Faso sammeln, denn Wasser bedeutet Leben. Am Ende haben die Teilnehmer genug für fünf Brunnen gespendet. „Das ist eben Gospelkirchentag, da kann alles passieren“, freut sich Aktions-Botschafterin von der Heyde.

Vieles ist passiert: Der Bus hielt an der falschen Gemeinschaftsunterkunft, also rollkoffern durch die halbe Stadt. Volle Straßenbahnen, phantastisches Sommerwetter im Spätherbst, Eis essen auf den schönsten Plätzen der Stadt und die Entdeckung: Karlsruhe ist gemütlich und hat südländisches Flair, Schlafmangel, „Man-möchte-die-Welt-umarmen“-Attacken, der Wunsch nach Ohrstöpseln und die Sehnsucht, dass das alles nicht so schnell vorbei ist. Elf Uhr vormittags in Karlsruhe. „Let us stand“ ist verklungen, der Abschlussgottesdienst vorbei, Massen strömen aus der Europahalle.
Wo ist der Bus? Zum Glück ist unser Gefährt rot, leicht auszumachen im Blechgetümmel des großen Parkplatzes. Der chilenische Fahrer sieht aus, als hätte er Angst, dass die Beseelten wieder wieder singen könnten. Leipzig, Potsam, Berlin steigt ein. Glückliches Geschnatter, gesungen wird auch. 700 Kilometer, zehn Stunden Rückfahrt. Wer kommt denn auf so was? Wirklich jetzt: Den möchte man mal drücken und einfach Danke sagen.

 

Kooperation mit dem Gospelkirchentag

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Großes Mitsingkonzert in der Westfalenhalle

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